Visionen


Die Träume von Pfarrer Josef Rogger.


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Irrweg und mögliches nutzbringendes Ideal des Feminismus in der Kirche.
(Weg von übertriebenen hierarchisch-männlichen  zu eher synodal-fraulichen Strukturen)


Viele reden von Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Kirche. Sie verstehen darunter meistens ausschliesslich die Möglichkeit, dass Frauen auch zum priesterlichen und bischöflichen Amt zugelassen werden. Die Erfüllung dieses Wunsches sollte nur sekundär sein. Sie dürfte nicht eine Eingliederung in eine übertrieben hierarchisch-männliche Struktur der Kirche bedeuten. Daran  krankt ja die Kirche heute. Wäre es nicht vorteilhafter für die Kirche, wenn die allzu männlichen Strukturen in eine mehr fraulich- synodale Form umgewandelt würden statt die Frauen in eine männliche Struktur zu pressen? Die Verwirklichung des Subsidiaritätsprinzips, das die offiziellen kirchlichen Verlautbarungen der letzten Jahre den Politikern und Politikerinnen immer wieder als Ideal ans Herz legen, würde durch das frauliche Denken auch der Kirche gut tun. Die Gemeindeglieder würden dann gestützt auf die Heilige Schrift und die mündliche Überlieferung das christliche Leben mit Hilfe von kirchenhistorischen und exegetischen Büchern  praktizieren, immer in Gemeinschaft mit dem Bischof oder der Bischöfin, die letztlich für den echten Glauben der kleineren Gemeinschaften verantwortlich wären. Wenn Frauen eine grössere Verantwortung für das christliche Leben in den Gemeinden übernehmen könnten, wäre sicher auch Gewähr vorhanden für eine angemessene „Orthopraxis“, die immer Frucht der Orthodoxie sein sollte.


In memoriam: Albert Einstein

Wer kennt ihn nicht? Er war und ist einer der bedeutendsten Physiker aller Zeiten. Aber wissen auch alle, dass Einstein einer der eifrigsten  Pazifisten aller Zeiten war? Trotz allem pazifistischen Eifer musste er zwar bekennen: “Meine Beteiligung bei der Erzeugung der Atombombe bestand in einer einzigen Handlung: ich unterzeichnete einen Brief an Präsident Roosevelt, in dem die Notwendigkeit betont wurde, Experimente im Grossen anzustellen zur Untersuchung der Möglichkeit der Herstellung einer Atombombe. Ich war mir der furchtbaren Gefahr wohl bewusst, die das Gelingen dieses Unternehmens für die Menschheit bedeutete. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Deutschen am selben Problem mit Aussicht auf Erfolg arbeiten dürften, hat mich zu diesem Schritt gezwungen. Es blieb mir nichts anderes übrig, obwohl ich stets ein überzeugter Pazifist gewesen bin. Töten im Krieg ist nach meiner Auffassung um nichts besser als gewöhnlicher Mord.“                             

Daher richtete er sich weltweit bei jeder nur möglichen Gelegenheit an zahlreiche Menschen in verschiedenen einflussreichen Gremien. So äusserte er sich einmal folgendermassen: „Es freut mich, dass Sie mir Gelegenheit geben, ein paar Worte zu Ihnen über das pazifistische Problem zu sprechen. Die Entwicklung der letzten Jahre hat wieder gezeigt, wie wenig wir dazu berechtigt sind, den Kampf gegen die Rüstungen und gegen den kriegerischen Geist den Regierenden zu überlassen. Aber auch die Bildung grosser Organisationen mit vielen Mitgliedern kann allein uns dem Ziel nur wenig näherbringen. Nach meiner Überzeugung ist hier der gewaltsame Weg der Militärdienstverweigerung der beste, gestützt durch Organisationen, welche den mutigen Kriegsdienstverweigerern in den einzelnen Ländern materiell und moralisch beistehen. So können wir es dahin bringen, dass das pazifistische Problem akut wird, ein wirklicher Kampf, zu dem sich starke Naturen hingezogen fühlen. Es ist ein illegaler Kampf, aber ein Kampf um das wirkliche Recht der Menschen gegen ihre Regierungen, soweit diese verbrecherische Handlungen von ihren Bürgern fordern. Viele, die sich für gute Pazifisten halten, werden einen solchen radikalen Pazifismus nicht mitmachen, indem sie patriotische Gründe geltend machen. Auf solche aber kann in ernster Stunde doch nicht gerechnet werden. Dies hat der Weltkrieg zur Genüge bewiesen.
Über Gandhi schrieb Einstein einmal: „Gandhi, der grösste politische Genius unserer Zeit, hat den Weg gewiesen und gezeigt, zu welchen Opfern Menschen fähig sind, wenn sie den richtigen Weg erkannt haben. Sein Befreiungswerk für Indien ist ein lebendiges Zeugnis dafür, dass der von fester Überzeugung beherrschte Wille stärker ist als die scheinbar unüberwindliche materielle Macht.“
(Mehr Wissenswertes zu diesem Thema im Buch: „Albert Einstein“ Mein Weltbild, Ullstein Taschenbuch)


Worte gehen tief 

Wenn eine eingeborene Person in Lateinamerika sagt, sie sei ein Indio, dann meint sie dies oft kämpferisch, dann kämpft diese Person gegen ihren Minderwertigkeitskomplex. Wenn hingegen eine andere Person einem Mitmenschen Indio sagt, dann tönt dies beleidigend. Das Wort Indio ist zu sehr belastet mit einer grausamen Vergangenheit. Daher redet man allgemein von einem Nativo oder einer Nativa. Das tönt für alle gut. Ähnliche Zustände gibt es auch auf der ganzen Welt. Oder fühlt sich z.B. ein homophiler Mensch nicht ähnlich wie ein Indio, wenn man ihn Schwuler, Gay oder Lesbe nennt? Kommt es von Herzen und tönt es selbstverständlich, wenn diese Menschen sich als Schwule oder Lesben outen? Ist es nicht kämpferische Selbstverteidigung? Sind die Worte Schwuler, Gay oder Lesbe nicht allzu sehr belastet von einer negativen Einstellung ihnen gegenüber, trotz aller positiven Aktionen und Verlautbarungen von Seiten der Regierungen und der Kirchen? Wie man das Wort Indio in der Umgangssprache durch das Wort Nativo ersetzt hat, so könnte man die wertende Unterscheidung von Normalen, Lesben, Schwulen und Gays durch die Ausdrücke Homo resp. Homa ersetzen, wie dies schon selbstverständlich für Hetero resp. Hetera gilt. In der Mehrzahl könnte man von Heteros resp. Heteras und von Homos resp. Homas sprechen. Diese Wörter könnten international anerkannt und vielleicht sogar im Pass vermerkt werden. Wie bei den politischen Parteien könnte beiden eine entsprechende Farbe zugeteilt werden (z.B. rot und pink). Dies könnte zu einem entspannteren Umgang miteinander beitragen. Worte gehen tief. Sie können Leben spenden oder töten.


Weltweite tolerante religions- und konfessionslose Gemeinschaft gläubiger Menschen

Je länger ich mit Frauen und Männern aus allen Kontinenten Kontakt habe, fällt mir immer mehr auf, dass es überall auf der Welt religions- und konfessionslose Menschen gibt, die von einer bessern Welt träumen. Es handelt sich um gläubige Menschen, die an ein höheres Wesen glauben, dem wir unser Dasein verdanken. Sie träumen von einer weltweiten Familie, die im Frieden miteinander leben könnte, wo alle einander annehmen und lieben würden so wie sie sind. Niemand würde nur für sich allein sorgen, sondern alle wären um alle besorgt für ihre leiblichen und seelischen Bedürfnisse. Sie sind enttäuscht von den verschiedenen Religionen und Konfessionen, die ihren Glauben oft missbrauchen, um zu Macht und Reichtum zu gelangen und einander bekämpfen. Leider sind solche Visionärinnen und Visionäre, deren es viele gibt, meistens allein auf weiter Flur. Wäre es nicht möglich mit den heutigen Kommunikationsmitteln solche Menschen zu sammeln und zu einem Neuaufbruch zu begeistern?

 Auch Atheisten, die von einer Weltfamilie träumen, könnten da mitwirken.

Dritter Weg zwischen Kapitalismus (freier Markt) und Sozialismus (sanfte staatliche Regulierung), um die grosse Not in der heutigen Welt etwas zu lindern.

Nachdem sowohl Kapitalismus wie auch Sozialismus im Endeffekt versagt haben, sollten beide neu über die Bücher gehen und gemeinsame Lösungen für das Wohl der Menschheit suchen. Ganz sicher wäre zunächst eine weltweite Abrüstung ins Auge zu fassen. Wir sollten endlich zur Einsicht kommen, dass wir in jedem Land abrüsten, auf schwerbewaffnete Armeen verzichten und alle Waffenlager auflösen und verschrotten sollten. Die bestehenden Armeen könnten in jedem Land in ein gut organisiertes Heer für gemeinnützige Arbeit und Katastrophenhilfe (HEGAK) umgewandelt werden.


Um aber dennoch die öffentliche Ordnung zu sichern, bräuchten wir überall Ordnungshüter (leicht bewaffnete Polizeitruppen?). Ausserdem wären internationale Friedensbeobachter nötig, um die Aufrüstungsgelüste irgendeines Landes zu verhindern.
Die allgemeine Abrüstung würde es erlauben, von den Lokal- und Landessteuern eine Weltsteuer abzuzweigen. Die Einkünfte dieser Weltsteuer (vielleicht wäre eine internationale Verwaltung nötig) müssten in allen Ländern dazu dienen, jedem volljährigen Menschen auf dieser Erde ein minimales Einkommen für seinen Lebensunterhalt zu garantieren. Diese Rente sollte sowohl gesunden wie kranken Personen zukommen, wobei gesunde Frauen und Männer verpflichtet wären, bis zum Pensionsalter jährlich während einer gewissen Zeit im HEGAK (Heer für gemeinnützige Arbeit und Katastrophenhilfe) Dienst zu leisten. Auch Haushaltsarbeit und Kindererziehung und natürlich die Verwaltung des Weltsteuerfonds würden als Erfüllung des Dienstes im HEGAK gelten. Dieser Dienst müsste freiwillig sein. Wer aber nicht Dienst täte, bekäme auch keine Rente bis zum Pensionsalter.
Auf diese Weise und bei Respektierung der international proklamierten Menschenrechte könnten in einer globalisierten Welt Kapitalismus und Sozialismus einander ergänzen und zum Wohl aller Menschen beitragen.
Zum Schluss noch einige Gedanken zur EU. Ein künftiges Europa könnte von der Schweiz lernen und könnte sich vielleicht folgendermassen entwickeln: Immer mehr italienische, österreichische, deutsche und französische Grenzgebiete würden sich zunächst zu Schweizer Kantonen erklären. Gleichzeitig würden sich überall in Europa getreu dem Subsidiaritätsprinzip ähnliche föderalistische echt demokratische Gebilde entwickeln. Nach und nach gäbe es dann keine Nationen mehr, nur noch ein Europa mit einer Zentralregierung, aber mit kleinen relativ selbständigen föderativen Teilstaaten (ähnlich wie die Kantone in der jetzigen Schweiz). So könnte nach und nach ein neues  von unten aufgebautes Europa entstehen.
 Die Schweiz könnte auf diese Weise nicht nur für Europa, sondern für die ganze Welt ein Vorbild sein. Ein eitler Traum? Nein! Wenn wir schon von der ganzen Welt reden, möchte ich noch eine weitere Vision los werden, nämlich ein Zusammenschluss von Ecuador und Schweiz als Vereinigte Staaten ECUASUIZA. Sie werden sich sagen: Jetzt hat er endgültig abgehoben und den Boden der Realität ganz verloren. Seit ich aber Ecuador und seine Leute kenne, lässt dieser Traum mein Inneres nicht mehr los. Wir alle wissen und sind stolz darauf, dass wir ein gut organisiertes Land sind. Hingegen müssen wir auch zugeben, dass wir in unserem Land noch längere Zeit Menschen aus dem Ausland nötig haben werden, damit unsere Gesellschaft wirtschaftlich und auf verschiedenen andern Gebieten nicht aus den Fugen gerät. Wäre es nicht besser anstelle von Einführung von Menschen aus dem Ausland, dass zwei sich ergänzende Staaten sich als Bürger von zwei vereinten Staaten erklären?  Ecuador ist ein reiches Land mit genügsamen und unternehmungsfreudigen und vielen jungen Menschen. Die Ecuadorianer haben – auch wenn sie ganz anders sind als wir – mit uns Schweizern vieles gemeinsam. Was diesem Land gut täte, wäre unser Organisationstalent. Wir würden einander also recht gut ergänzen. Es wäre auch ein wirksames Zeichen gegen einen übertriebenen ungesunden Nationalismus.
E i n e Bedingung zum Gelingen all dieser Visionen jedoch wäre ein grosses Umdenken in unserer menschlichen Gesellschaft. Man müsste die Hierarchie der Werte auf den Kopf stellen. Nicht mehr möglichst viel zu besitzen dürfte in der Gesellschaft erstrebenswert sein und sollte unsere Sehnsucht nach  Selbstwert und Anerkennung erfüllen, sondern unser Streben sollte darauf gerichtet sein, als tüchtige Verwalter mit möglichst grossen Steuern und  gemeinnützigen Stiftungen zum Wohl der Menschheit beitragen zu können.
Mit dieser Einsstellung müsste man keine materiellen Güter mehr verteidigen. Es bräuchte also auch keine Waffen und kein Militär mehr. (Interessant sind die Ideen des berühmten tschechischen Ökonomen Ota Sik „Der dritte Weg“)

Josef Rogger




Katholische Kirche im Jahr 2050

Es ist Dienstagabend im Sommer 2050. Eine kleine Gruppe von Frauen und Männern versammelt sich im Haus der Familie Meier zur Feier der heiligen Eucharistie. Herr Meier ist bereits pensioniert. Bis vor kurzem war er noch Primarlehrer. Seine Frau ist pensionierte Sekundarlehrerin. Als ihre beiden Kinder, die jetzt bereits verheiratet sind, grösser wurden, leitete sie mehrere Jahre als Präsidentin eine Frauengruppe. Nach der Pensionierung ihres Mannes machte sie einen zweijährigen Theologiekurs. Die Anregung dazu gab ihr eigentlich die Firmvorbereitungszeit ihrer Kinder. Da hatte sie sich mit ihrem Mann zusammen als tüchtige Firmhelferin betätigt. Jetzt leitet sie eine kleine christliche Gemeinschaft - befreundete Männer und Frauen der Familie Meier – und feiert mit diesen während der Woche regelmässig Eucharistie. Der Bischof hat sie durch Handauflegung dazu beauftragt. Die Gottesdienstgemeinschaft macht sich Gedanken über den Schrifttext, der soeben verlesen wurde. Es kommt zu einem lebhaften Gespräch. Unter den Anwesenden im Gottesdienst bei Familie Meier gibt es auch einige Schulkinder. Der Religionsunterricht findet nicht mehr in den Schulen statt, sondern in diesen kleinen christlichen Gemeinschaften. Er wird von den Eltern selber oder von andern engagierten Frauen und Männern erteilt.


Im heutigen Gottesdienst wird unter anderem darüber verhandelt, wie man einigen notleidenden Menschen aus dem Bekanntenkreis helfen könnte. Auch einem älteren Mann möchte man beistehen, dessen Gattin vor kurzem gestorben ist. Vor zwei Monaten war sie noch im Gottesdienst und hatte die Krankensalbung empfangen. Es war in der gleichen Eucharistiefeier, in der auch ihr Urgrosskind getauft wurde. Vor einem Jahr haben sich die Eltern des Täuflings im Rahmen einer solchen Eucharistiefeier das Jawort gegeben. In diesen Gottesdiensten bei Familie Meier fühlen sich alle so richtig heimisch und geborgen und von allen angenommen.
Selbstverständlich gibt es neben diesen Kleinpfarreien, wie Frau Meier eine leitet, auch noch die Grosspfarrei. An allen Sonn- und Feiertagen kommen die kleinen Gemeinschaften zum grossen gemeinsamen Gottesdienst in der Pfarrkirche zusammen, die kürzlich renoviert wurde. Das Gemeindeleiter-Ehepaar Müller engagiert sich in vorbildlicher Selbstlosigkeit für das Wohl und die religiöse Weiterbildung der Pfarreimitglieder. Von Beruf sind beide Sozialarbeiter und als solche vom Staat angestellt und besoldet. Sie können daher die Pfarrei ehrenamtlich leiten. (Apg.18.3 / 1Thess.2.9 / 2Thess.3.7f.) Beide haben zusätzlich ein Theologiestudium absolviert. Im Augenblick hat die Pfarrei grosse Schulden, und Frau und Herr Müller animieren die Gläubigen zu Spendefreudigkeit. Die Renovation der Kirche kam recht teuer zu stehen. Aber die Leute sind sehr zufrieden mit der Arbeit des Architekten, sodass das nötige Kleingeld schon noch aufzutreiben sein wird. Das Innere der Kirche wurde stark verändert. Anstelle der Bänke gibt es jetzt viele runde Tische. Jede „Kleinpfarrei“ hat einen eigenen Tisch. Für Kinder und Jugendliche gibt es spezielle Tische. An den einzelnen Tischen wird zunächst über die Schrifttexte des entsprechenden Sonntags nachgedacht und anschliessend können alle Notizen machen, welche dann von einer dazu bestimmten Person zusammengefasst und am Vorstehertisch im Zentrum allen Gottesdienstteilnehmenden verkündet werden. Auch die Kleinkinder haben einen eigenen Tisch, an dem sie Zeichnungen machen dürfen von dem, was sie in der ihnen erzählten biblischen Geschichte gehört haben.
Gebetet und gesungen wird gemeinsam. Gelegentlich werden auch sakrale Reigen und Chorgesänge mit Orgel- oder Orchesterbegleitung zur mystischen Vertiefung und gegen übertriebene Wortlastigkeit eingesetzt. Hinten in der Kirche befinden sich an der Wand spezielle Regale, wo alle Gottesdienstbesucher ihr Gewand und ihren eigenen Becher aufbewahren können. Es wird nämlich auch an Sonn- und Festtagen unter beiden Gestalten kommuniziert und alle Mitfeiernden tragen weisse Eucharistiegewänder. Zur Kommunion werden vom Tisch im Zentrum aus die konsekrierten Gaben in Brotkörben und Weinkannen an die einzelnen Tische verteilt. Die Leute nehmen sich Zeit und haben das Bedürfnis einander wirklich näher zu kommen. Der Mensch wird wieder ernst genommen.
Nach dem Gottesdienst wird auf dem Kirchplatz oder im Pfarreiheim ein Mittagessen angeboten. Während dieses gemeinsamen Mahles wird in geschwisterlicher Atmosphäre geplaudert und allerlei diskutiert und geplant.
Am letzten Sonntag machte Frau Müller Propaganda für einen religiösen Weiterbildungskurs im Bezirkshauptort. Dort lebt eine grosse Gemeinschaft von zölibatären Theologinnen und Theologen, etwa 30 Frauen und 20 Männern, die unter anderem verantwortlich sind für Kurse, die engagierte Gemeindeglieder besuchen können. Die Mitglieder der Gemeinschaft sind gut ausgebildet in Theologie und um frei zu sein für das Reich Gottes verpflichten sie sich zu Gütergemeinschaft, Dialogbereitschaft und Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen. Sie betätigen sich abwechslungsweise in einem bestimmten Turnus auch im Erwerbsleben und sorgen so für den Lebensunterhalt der Gemeinschaft. Es hat auch Witwen und Witwer unter ihnen. Alle haben sich für mindestens 10 Jahre zu diesem Gemeinschaftsleben verpflichtet. Die meisten erneuern alle 10 Jahre ihr Versprechen. Einige haben nach 10 Jahren die Gemeinschaft verlassen und geheiratet. Sie bleiben aber weiterhin in geistlicher Verbundenheit mit der Gemeinschaft. Es gibt auch ältere Ehepaare, die in dieser Gemeinschaft nach deren Regeln ihren Lebensabend verbringen, nachdem sie ihre Töchter und Söhne grossgezogen haben. Ähnliche Gruppen gibt es an jedem grösseren Ort. Die grösste und bedeutendste Gemeinschaft ist die theologische Lehranstalt in der Provinzhauptstadt, wo der Bischof zusammen mit den Frauen und Männern, die Theologie dozieren, lebt. Hier werden zukünftige Gemeindeleiterinnen und -leiter, sowie Kursleiterinnen und -leiter ausgebildet.
Übrigens hat sich auch in der Weltkirche vieles verändert. Die Ökumene hat grosse Fortschritte gemacht. Jede christliche Konfession bemüht sich der ewigen Wahrheit näher zu kommen, und jedes Bekenntnis anerkennt den Weg des andern. Die Teilkirchen in den verschiedenen Kontinenten geniessen viel grössere Selbständigkeit als bis anhin. Die Altstadt von Jerusalem ist jetzt unabhängig und Zentrum aller jüdischen, christlichen und mohammedanischen Gemeinschaften. Das Amt des Papstes hat der Bischof von Jerusalem inne. Der Bischof von Rom lebt wie andere Bischöfe in Gemeinschaft mit den Frauen und Männern, die an der theologischen Lehranstalt von Rom dozieren. Der Vatikan wird von vielen Touristen unter Führung der Schweizergarde als das eindrucksvollste Museum der zweitausendjährigen Christenheit bewundert (Stiftung für die Armen in der Welt).

Bifola Gründer: Josef Rogger 1.9.2013


Minderheiten fördern und unterstützen statt
zwangsintegrieren und verfolgen

Jede „Weltgruppe“, die sich einsetzt für Minder-heiten und benachteiligte Menschen auf der Südseite der Erdkugel, sollte sich auch verantwortlich fühlen für die Minderheiten vor der eigenen Haustüre. Dazu zählen bei uns vor allem die Fahrenden. Sie haben eine eigene Kultur, die leider in vielen Ländern nicht als solche anerkannt wird. Darum sollte sich in Zukunft jede „Weltgruppe“ dieses Problems annehmen.


Es könnte eine Untergruppe „Für Minderheiten im eigenen Land“ bestimmt werden. Ihre Mitglieder sollten mit den Randgruppen in ihrem Einzugsgebiet Kontakt aufnehmen und sich für sie verantwortlich fühlen. Einige von ihnen müssten selber Mitglieder dieser Untergruppe werden können, die auch besorgt sein müsste für Bewusstseinsbildung unter der Bevölkerung. Wichtig wäre natürlich eine landes- und weltweite Vernetzung aller dieser Gruppen. Sicher hat die Armut vieler Minderheiten ihren Ursprung zu einem grossen Teil darin, dass ihre eigenständige Kultur nicht offiziell anerkannt wird.
NB: Zum selben Anliegen ein wunderschöner Traum einer weisen Frau aus Ecuador. Weltweit gesehen ist eigentlich jede Nation irgendwie eine Minderheit, meint sie. Damit sich alle Menschen auf dieser Erde untereinander verständigen könnten, müsste in allen Ländern als neues Schulfach das Erlernen einer Gebärdensprache (z.B. ISL International Sign Language) verordnet werden. .

Bifola Gründer: Josef Rogger 1.9.2013


Kooperative für Handwerkermeister

Seit Jahren begegne ich immer wieder recht tüchtigen Handwerkermeistern, die dem Stress des heutigen Konkurrenzkampfes einfach nicht gewachsen sind. Sie arbeiten Tag und Nacht, werden physisch und psychisch krank und bringen es doch auf keinen grünen Zweig. Nach und nach gerät auch die Familie in eine Krise. Könnten solche Unternehmer nicht eine Kooperative gründen statt sich gegenseitig zu konkurrenzieren? Wäre das für sie selber und für das Wohl der Familie nicht viel befriedigender? Sie könnten in Ruhe arbeiten und Eltern und Kinder hätten wieder Zeit füreinander. Man müsste natürlich auf der einen Seite etwas Freiheit aufgeben, aber auf der andern Seite viel Freiheit gewinnen. Die Vorteile wären viel grösser. Sicher fänden sich unter den Genossenschaftern einige, der als talentierte Verwalter bereit wären der Kooperative vorzustehen und alles zu organisieren. Würde es sich wohl nicht lohnen einen Versuch zu starten, bevor man im Spital oder in einer psychiatrischen Klinik landet?

Bifola Gründer: Josef Rogger 9.1.2014


Ideale Grossfamilien in der heutigen Zeit

In Anlehnung an das frühere Stöckli auf den Bauernhöfen wäre zu überlegen, ob man heute nicht Wohngenossenschaften gründen sollte, die anstelle von Alters- und Pflegeheimen das Zusammenleben mehrer Generationen planen würden. Man könnte sich das etwa folgendermassen vorstellen: In einem Wohnblock würden in den unteren Stockwerken mehrere Familien wohnen. Zuoberst wären Alterwohnungen, wo die Eltern resp. Grosseltern der unten wohnenden Familien sich einrichten könnten. So blieben die Familien beisammen ohne einander in die Quere zu kommen. Kinderhütedienst wäre leicht möglich und die alten Leute würden sich nicht abgeschoben fühlen. Für die Betagten stünden zwei Pflegefachpersonen zur Verfügung, die ebenfalls im Block wohnen würden. Das wäre sicher menschlicher und billiger als Alters- und Pflegeheime. Auch alleinstehende Betagte könnten von dieser Einrichtung profitieren. Die Betagten wären so für sich und doch nicht allein. Die unten wohnenden Angehörigen wären nicht überbeansprucht und doch in der Nähe ihrer betagten Eltern.

Bifola Gründer: Josef Rogger 1.9.2013


I think that, as life is action and passion, we should share the passion and action of our time at peril of being judged not to have lived at all.